Figurationen des Schöpferischen

Die Melancholie und ihre Schwestern Ein Kulturvergleich

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07.-08.06.2011, Internationales Kolleg Morphomata, Weyertal 59, Rückgebäude (3. Stock), 50937 Köln

„Warum erweisen sich alle außergewöhnlichen Männer in Philosophie oder Politik oder Dichtung oder in den Künsten als Melancholiker“?
So beginnen die pseudoaristotelischen Problemata Physica XXX, 1 – die Frageform enthält schon die Behauptung, die seit mehr als zwei Jahrtausenden in der abendländischen Tradition scheinbar ungebrochen wiederholt wird und deren vermeintlich kontinuierliche Wirkmacht als bestens erforscht gilt. Analysiert man die Genealogie, Medialität und Dynamik dieses Denkbilds vom melancholischen Grund des Schöpferischen jedoch aus morphomatischer Sicht, so ergeben sich bisher kaum beantwortete Fragen:
Warum verblasste diese so eindrücklich gestaltete Vorstellung von der Schöpferkraft der Melancholie sofort wieder, und zwar für mehr als eineinhalb Jahrtausende, und was bewirkte ihre triumphale Wiederkehr in der Renaissance?
Wie verhielt es sich mit der tatsächlichen Wirkmacht von Dürers ‚Melencolia, I’ auf Literatur, Kunst und Philosophie der Folgezeit, bevor dieser Kupferstich von den Kunsthistorikern Fritz Saxl und Erwin Panofsky so brillant und einflussreich besprochen wurde?
Im Abendland wird die Melancholie seit der Renaissance als Genieausweis gehandelt – wie jedoch sieht es in anderen Kulturtraditionen aus? Hat die Melancholie des Schöpferischen ‚Schwestern’ in anderen Weltkulturen? Welche Artefakte, Theorien und Praktiken bezeugen dies?
Das Tagungsprogramm folgt diesen drei Fragen, verhandelt also zum einen Hauptmanifestationen der Vorstellung melancholischen Schöpfertums und setzt dabei zum anderen einen ebenso gewichtigen Akzent auf den Kulturvergleich.


Dienstag, 7. Juni 2011

09.30 Günter Blamberger/Tanja Klemm

Begrüßung und Einführung

10.15 Eckart Schütrumpf (Boulder)

Melancholy of extraordinary men – a fourth cent. B.C. explanation of all greatness of men

 

11.00  Kaffeepause

 

11.30 Dominik Wujastyk (London/Vienna)

Depression, humours, and personality in the Carakasaṃhitā and related texts

 

12.15  Mittagspause

 

14.30 Maria Moog-Grünewald (Tübingen)

Petrarcas Secretum

15.15 Antje Wittstock (Berlin)

Tradition und Innovation. Marsilio Ficinos Melancholiekonzept und seine Auffassung vom Schöpferischen

 

16.00  Kaffeepause

 

16.30 Martin Büchsel (Frankfurt on the Main)

Dürers Stich “Melencolia, I“ und die Frage der künstlerischen Produktivität.

17.15 Claudia Wedepohl (London/Cologne)

Humanisierung der Kosmologie. Aby Warburgs symbolische Dürerdeutung


Mittwoch, 8. Juni 2011

09.30 Grantley McDonald (Leuven)

Hermetic Anthropology and Melancholia in Magnus Hundt’s Anthropologium

 

10.15 Kaffeepause

 

10.45 Wolfgang Kubin (Bonn)

„Ten Thousand Years of Sadness!“ Towards the Problem of Melancholy in Chinese Middle Ages

11.30 Martin Böke (Cologne)

Wo sich Hippokrates und Gelber Kaiser treffen – die Verbindung von Emotionen und Körper in der Chinesischen Medizin

 

12.15 Kaffeepause

 

14.30 Ryosyke Ohashi (Kyoto/Cologne)

„Ukiyo“: Die trauervolle, dennoch genussreiche Welt - Die Melancholie nach der japanischen Lebensanschauung

15.15 Guo Yi (Beijing/Cologne)

Investigation on Creativity and its Correlation with Melancholy under the Background of Chinese Tradition

 

16.00 Kaffeepause

 

16.30 Jacob Mabe (Berlin)

Afrikanische Perspektiven der Melancholie

17.15 Parul Dave Mukherji (New Delhi)

Tragic Creativity: Exploring difference in Indian Aesthetics

 

Abendvortrag, Alter Senatssaal, Universität zu Köln

19.30 - Sudhir Kakar (Goa)
Artistic Creativity and its Discontents: The Indian View

 


Organisation: Günter Blamberger, Sidonie Kellerer, Tanja Klemm

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