Die Evidenz des Mythos

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04.-05.05.2011

Die Konferenz geht von der Frage aus, warum die antiken Mythen in den westlichen Kulturen bis auf den heutigen Tag präsent sind, warum die ‚Arbeit am Mythos‘ zu allen Zeiten seit mehr als fast dreitausend Jahren ungebrochene Fortsetzung findet. Das Phänomen selbst, die ‚Arbeit am Mythos‘, ist in unzähligen großen und kleineren Studien erfasst, die Varianten und Variationen sind in ihren jeweiligen Voraussetzungen und Folgen beschrieben.

Nicht geklärt ist jedoch bislang der Grund der Faszination, der Wirkmechanismus, der in allen Zeiten und für jede einzelne ‚Arbeit am Mythos‘ gültig ist, für den Euhemerismus nicht anders als für die Allegorese, die ‚Korrektur‘ nicht anders als die Parodie.

Von Interesse sind also die Funktionen der ‚Gestaltgebung‘, näherhin die nach Zeiten und Räumen differenten Funktionalisierungen von Ritus, Mythos, Poiesis. Denn es scheinen von Anbeginn die Funktionalisierungen des Mythos bzw. der Mythen zu sein, die deren Gegenwärtigkeit begründen. Für das Gelingen der Funktionalisierung ist wiederum deren Evidenzierung von entscheidender Bedeutung. Pointiert gesagt sind Mythen Narrative der Evidenz. Evidenzierung aber ist auf Verfahren angewiesen, die näherhin zu beschreiben sind. Allgemein sind es Verfahren der Transkription, i.e. Verfahren der Fort- und Neuschreibung, die geradezu als Voraussetzung der Evidenz fungieren. Deren jeweilige historische und – in Ableitung – systematische Beschreibung und Interpretation erlauben, einen Mythosbegriff zu bilden, der für die frühe griechische Antike nicht anders als für die nachfolgenden (fast) drei Jahrtausende und darüber hinaus für alle Kulturen in allen Zeiten Geltung beanspruchen kann und der darüber hinaus begründet, warum die antiken Mythen in den westlichen Kulturen bis auf den heutigen Tag präsent sind.

Der Kongress, an dem Archäologen, Klassische Philologen, Literatur-, Sprach- und Medienwissenschaftler, Musik- und Kunstwissenschaftler teilnehmen, setzt sich nicht allein zum Ziel – wie bislang üblich –, die jeweiligen Besonderheiten der je historischen Rezeption und Transformation eines Mythos/einer mythischen Figur zu beschreiben; vielmehr sucht er die Frage zu beantworten, wie eine ‚Erzählung‘ zum Mythos wird, worin seine Aufnahmen begründet liegen und vor allem, welche – auch nach Disziplinen – differenten Verfahren seine Evidenzierung ermöglichen.

PROGRAMM

Flyer

Mittwoch, 4.5.2011

15.00 Eröffnung

Moderation: Maria Moog-Grünewald

15.15 Ludwig Jäger: Zur transkriptiven Logik des Mythos

16.15 Andreas Kablitz: Daphne und Apoll – Zum Evidenzverlust eines Mythos

17.15 KAFFEEPAUSE

18.00 Walter Burkert: Sintflut/Sündflut – Mythenüberlieferung und Mythenwirkung

Donnerstag, 5.5.2011

Moderation: Günter Blamberger

09.15 Arbogast Schmitt: Mythos – Deutung durch Gestaltung von Handlung. Zu Darstellung und Verständnis des Mythos von Homer bis Aristoteles

10.15 Jan Bremmer: Modifying Myth in Ancient Greece: Three Examples

11.15 KAFFEEPAUSE

11.45 Bernhard Greiner: Unmittelbare Sicherheit der Anschauung: Die Evidenz des (Dionysos-) Mythos als Gabe der Tragödie. Nietzsches Tragödienschrift in Abgrenzung zu untragischen Mythenbestimmungen.

13.00 MITTAGESSEN

Moderation: Tanja Klemm

14.30 Steffen Schneider: Helena – ein Phantom: Konfigurationen eines Mythologems

15.30 Melanie Wald-Fuhrmann: Der Klang des Mythos

16.30 KAFFEEPAUSE

17.00 Daniela Hammer-Tugendhat: Satyr und Teufel. Antike Mythen als Legitimation der Repräsentation von Sexualität in einer christlichen Kultur

Freitag, 6.5.2011

Moderation: Ludwig Jäger

09.15 Helmut Lethen: Mythenscheu

10:15 Maria Moog-Grünewald: Mythisierung des Mythos: Anmerkungen zu Pierre Klossowskis "Le Bain de Diane"

11:15 Abschluss


Organisation: Morphomata (Maria Moog-Grünewald, Ludwig Jäger, Andreas Kablitz)

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