Kreativität des Findens. Figurationen des Zitats

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03.-05.11.2010

Die Tagung ist öffentlich, Interessierte sind herzlich eingeladen!

Mittwoch, 3. November (Hörsaal II, Hauptgebäude)
19.30 Abendvortrag Hans Ulrich Reck (KHM): »Ein Gedanke ist doch nicht die kürzeste Verbindung zwischen zwei Zitaten« – aber manchmal eben doch

Donnerstag, 4. November (Neuer Senatssaal)
- ganztägig -
Keynote: Anselm Haverkamp

Freitag, 5. November (IK Morphomata, Weyertal 59, 3. Stock)
- ganztägig -

Zitat – Figur – Kreativität: zum Programm

»Zitate in meiner Arbeit sind wie Räuber am Weg, die bewaffnet hervorbrechen und dem Müßiggänger die Überzeugung abnehmen«, bemerkt Walter Benjamin in der Einbahnstraße über die implizite Logik kultureller Formen in Texten. Wie die Figu­ration des Lesers als »Müßiggänger« deutlich macht, handelt es sich hierbei um eine Lektüreszene oder -beschreibung, die zugleich eine Figur der Erschließung kultureller Räume und Gegenstände überhaupt meint.

Während gängige kulturwissenschaftliche Konzepte wie das der symbolischen Formen, des kulturellen Netzes oder vergleichbare kultursemiotische Ansätze von Begriffen wie ›Text‹ oder ›Lesbarkeit‹ ausgehen, zeigt sich im Benjamin-Zitat gerade der Bruch kultureller Ordnung als Voraussetzung für Bedeutung. Der Unterschied liegt in der Auf­fassung des Zeichens: Dient die Lektüre als Paradigma kultureller Wahrnehmung, oder gibt es eine zwar signifizierende, aber nicht signifikante Logik figurativer Konkretion, die für künstlerische Artefakte genauso anzusetzen ist wie für die Zeichen eines Buches?

Solche heterogenen Bedeutungsebenen innerhalb von Zeichengefügen werden typographisch durch Anführungszeichen markiert, die im ›eigenen‹ Text den ›fremden‹ aus­weisen. Anführungszeichen sind also allgemeine Operatoren, die konkrete Aussagen funktional einklammern. Die Spannung, die sich aus dieser konkretisierten Funktion ergibt, unterstützt ein morphomatisches Verständnis des Schöpferischen in der Kultur. Mit dem Konzeptbegriff des Kölner Kollegs argumentiert, gibt sich in der kontingenten, beiläufigen Wahrnehmung kultureller Formen der Überlieferung eine Ausformung kul­tu­reller Wirklichkeit zwischen alten Texturen oder Überlieferungen und deren Refiguration in einer Neubestimmung ihrer Funktion einerseits sowie andererseits zwischen der Aushöhlung oder dem Verfall der genuinen Bedeutung kultureller Formen und ihrer Persistenz in der Präsenz des Zitats. Denn in den Indikatoren des Zitierens verbinden sich allgemeines Formverständnis – das Zitat als Figur der Einlassung auf den Wortlaut eines anderen – und konkrete Anführung eines – gesicherten – Wortlautes.

Zitate wer­den gefunden, sie sind konkrete Aussagen, die über die Ränder ihrer Zitatform hinaus ›überzeugend‹ wirken. Während so einerseits die Zitatform eine parergonale Logik des Rahmens einschließt, entfaltet das Zitat als Fundstück in neuem Kontext auch neue Bedeutung: Eine Kreativität des Findens schließt die Vergangenheit als Moment einer Logik des Neuen in der Präsenz des Zitats zusammen.


Organisation: Dr. Martin Roussel (martin.roussel@uni-koeln.de) Christina Borkenhagen (c.borkenhagen@uni-koeln.de)

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