Diagrammatik der Architektur

27.-29.01.2011

Durch das verstärkte Arbeiten am Bildbegriff ist auch die Kategorie des Diagramms in den Fokus kunst- und kulturhistorischer Disziplinen gerückt. Darstellungsweisen wie Börsenkurven, Balkendiagramme, Funktionsdiagramme oder Schemazeichnungen können auf eine gemeinsame und genuine Form der visuellen Argumentation zurückgeführt werden, die auf geometrischen Grundformen basiert. Die Methoden der diagrammatischen Darstellung sind dabei eng mit ihrer Verwendung und der ihnen immanenten Sinnerzeugung verbunden – anders gesprochen impliziert ein Diagramm eine charakteristische Form der Konstruktion, Rezeption und Operationalität.

Ein in dieser Weise verstandener diagrammatischer Diskurs hat zahlreiche Verbindungslinien zur Architektur: Utopische Stadtformen, nach ballisti- schen Geometrien konstruierte Bastionen, pythagoräische Proportionen, die in Beton gegossenen Funktionsdiagramme der Moderne oder die stark regularisierten Darstellungsweisen der klassischen Orthogonalprojektionen. Diese Wissensformationen sollen auf der Tagung zusammengeführt werden, um den Diagrammbegriff für den Bereich der Baukunst prüfen und schärfen zu können. Dabei erweist sich das Konzept der Morphome als hilfreich, die Kluft zwischen den Aspekten der Projektion, Dauerhaftigkeit, Formkonstanz einerseits und denen der inhaltlichen Varianz, Performanz und Operationalität andererseits zu überbrücken.

Do. 27. JANUAR ABENDVORTRAG

19.30 Oliver Schürer (Wien): Diagramme, Algorithmen, Typen und Architektur - Positionen zur Morphogenese von Antonio Gaudí bis Gregg Lynn

Fr. 28. JANUAR

09.00 Dietrich Boschung/Julian Jachmann (Köln): Grußwort und Einführung
09.30 Gerhard Dirmoser (Linz): Diagramm-Begriffe im Vergleich
11.00 Monika Melters (München): Das Orthogonalverfahren: Visuelle Kommunikation im historischen, theoretischen und darstellungsgeschichtlichen Kontext des 15. und 16. Jahrhunderts
11.45 Inge Hinterwaldner (Basel): Über Zeitreihendiagramme zur Reformulierung des Figur/Grund-Paradigmas
12.30 Mittagspause
14.00 Christof Baier (Berlin): Bewegung auf der Linie. Zur Bedeutung diagrammatisch dargestellter Bewegungsabläufe für Entwurf, Präsentation und Analyse von Gebäuden und Stadträumen seit 1500
14.45 Carolin Höfler (Braunschweig): Die Performanz der Form - Generative Prozesse und adaptive Systeme in der Architektur
16.00 Dominik Lengyel/Catherine Toulouse (Berlin): Rekonstruktion der Bauphasen des Kölner Doms und seiner Vorgängerbauten
16.30 Sigrun Prahl (Berlin): Raumdiagramme im Städtebau. Ein Studierendenprojekt zum Erfassen, Verstehen und Entwerfen von Stadträumen
17.00 Alexander Kobe (Köln): Der Stadtschichtenatlas Köln: Persistenz und Wandel mittelalterlicher Baustrukturen als Problem und Chance historischer Geoinformationssysteme (GIS)

Sa. 29. JANUAR

09.00 Nicole E. Stöcklmayr (Wien): Codex und Modell. Zur Überwindung der Ambiguität des Diagramms
09.45 Lilian Haberer (Köln): Der Raum des Denkens. Überlegungen zur Rolle der Diagrammatik für die Theoriebildung einer sogenannten dekonstruktivistischen Architektur
10.30 Kaffepause
11.00 Sonja Hnilica (Dortmund): Architektonische Form als Datenspur. Zur Wissenschaftlichkeit in Designprozessen
11.45 Gert Hasenhütl (Graz): Diagramme des Correalismus
12.30 Mittagspause
13.30 Karsten Heck (Berlin): Architektur konstruieren - Architekturgeschichte rekonstruieren. Heinrich von Geymüllers diagrammatisches Denken und Zeichnen
14.00 Andreas Gormans (Aachen): Der „Diagrammatische Blick“ oder visus perfectus als visuelle Kompensationsform des biblischen Sündenfalls im 12. Jh.
14.30 Kilian Heck (Frankfurt a. M.): Die Ahnen formen den Raum. Genealogische Dispositive in der Architektur um 1500
15.00 Abschlussdiskussion



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